Vorbericht der Rhein-Zeitung zu den Evita-Proben

Evita-Proben in Neuwied laufen auf Hochtouren

Neuwied – In Neuwied laufen die Proben für das Musical Evita auf Hochtouren. Die RZ hat an einem Vormittag zugeschaut.

Evita-im-Schlosstheater-NeuwiedIrgendwo da wird sie stehen: Eva Perón. Doch Simone Kerchner, die die Evita im Neuwieder Schlosstheater geben wird, stößt erst am 1. Mai zu den Proben. Bis dahin müssen sich Schauspieler, Sänger und Tänzer die Hauptperson des Musicals einfach denken. Überhaupt ist bei den Proben viel Vorstellungskraft vonnöten: Auf der Bühne markieren ein paar aufgeklebte rote Linien die Kulissenumrisse, und die Darsteller sind nur anhand umgehängter Schilder den Rollen zuzuordnen.Wer am Probentag gleich morgens zu den Truppe stößt, glaubt zunächst, sich in der Tür vertan zu haben. Hier erweckt nichts den Anschein einer Musicalprobe für die am 11. Mai anstehende Evita-Premiere im Schlosstheater. Vielmehr wähnt man sich in der Übungsstunde eines Fitnessstudios. Shaka Kahns „Ain’t nobody“ gibt den Takt an, und alles hört auf das Kommando von Claudia Lichtwardt-Seeliger.

Das Aufwärmprogramm der Choreografin hat’s in sich. Muskeln anspannen, Step links, Step rechts, Rücken rund machen („Das geht noch tiefer“) und dann Wirbel für Wirbel wieder aufrollen. Alle Achtung: Wirbelsäulengymnastik vom Feinsten. Und Regisseur Oliver Grabus lächelt nur: „Andere würden nach dieser Stunde aufhören und nach Hause gehen. Wir fangen dann erst an.“

Ja, so eine Musicalproduktion ist nicht nur ein bisschen singen und schauspielern. Sie ist vor allem auch eine Konditionssache. Wer hier mitspielt, der muss richtig fit sein. Und er muss noch mehr aushalten: beispielsweise vernichtende Kritik des Regisseurs: „Das war nichts, null, Müll!“ Andere würden vielleicht heulend nach Hause rennen. Doch das Neuwieder Evita-Ensemble gibt nicht auf und zeigt Oliver Grabus gleich im nächsten Durchlauf, dass es das protestierende Volk Argentiniens doch glaubwürdig darstellen kann.

Die Evita-Produktion ist etwas ganz Besonderes: Erstmals sind Profi- und Laiendarsteller gemeinsam auf der Bühne. Die künstlerische Zusammenarbeit zwischen dem Schlosstheater und dem Chamäleon-Theaterverein aus Neuwied hat Premiere und stellt die muntere Ehrenamtler-Truppe vor ganz neue Herausforderungen. Oliver Grabus, nicht nur Regisseur, sondern auch Vereinsvorsitzender, berichtet, dass er erstmals alle Rollen dreifach besetzen musste – weil es so viele Aufführungen geben wird und nicht jeder Laiendarsteller, der gleichzeitig noch mitten im Berufsleben steht, jedes Mal zuverlässig auf der Bühne stehen kann.

Die Verschmelzung von Profiensemble und Laientruppe findet vom 1. Mai an statt. Dann stoßen die Hauptdarsteller hinzu und beginnen die gemeinsame Probenarbeit mit den Neuwieder Chamäleons. Dann sind es nur noch 10 Tage bis zur Premiere. Das bedeutet für die Neuwieder derzeit: Sie müssen richtig Gas geben und proben, was das Zeug hält.

Nach vielen Proben in der vereinseigenen Kulturkuppel in der Schlosspassage steht die Musicalgruppe nun erstmals auf der Schlosstheaterbühne und macht sich dabei auch mit den überaus engen Raumverhältnissen vertraut. Bis wo kann ich mit meiner Fahne laufen? Wo wird Che stehen, wo Evita und wo die 22 übrigen?

Dann wechselt die Musik: von „Ain’t nobody“ zu „Evita“. Das Warm-up ist vorbei. Jetzt soll die Szene geübt werden, in der das Volk protestiert und singt „Wach auf, Argentinien“. Die Einsätze klappen, der Text sitzt auch. Doch Regisseur und Choreografin sind überhaupt nicht zufrieden: „Ich nehm Euch das nicht ab. Und wo ist Euer Blick?“, ruft Claudia Lichtwardt-Seeliger den Sängern zu. „Meint, was Ihr sagt!“ Das ist ihr Tipp. Und beim nächsten Durchlauf brüllt Oliver Grabus dazwischen: „Euphorie!“ Und siehe da: Gleich kommt die Szene viel überzeugender beim Probenpublikum an. Sie werden „Wach auf, Argentinien“ noch oft üben. Bis zur Premiere, da ist sich das Regieteam sicher, klappt’s dann auch mit dem Gesichtsausdruck. (Marcello Peerenboom)

Mit freundlicher Genehmigung der Rhein-Zeitung

Quelle: http://www.rhein-zeitung.de/region/neuwied_artikel,-Evita-Proben-in-Neuwied-laufen-auf-Hochtouren-_arid,577206.html#articletop RZ Neuwied-Linz, vom 03.04.2013

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