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Rheinzeitung: Chamäleon überzeugt mit „Der Streit“

Neuwied – „Der Streit“ ist das neueste Stück des Neuwieder Theatervereins Chamäleon. Oliver Grabus inszeniert damit seine zwölfte Produktion.

Die einen haben etwas von Adam und Eva, die anderen von Dirk Bach und Sonja Zietlow. Was auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen will, ist bei näherem Hinsehen der gelungene Versuch, einen Theaterstoff, den der französische Autor Pierre de Mariveaux vor 268 Jahren zu Papier gebracht hat, in die Neuzeit zu katapultieren. „Der Streit“ ist der Titel der neuesten Produktion der Neuwieder Theatergruppe Chamäleon, das am Freitagabend Premiere in der Werkstatt des Schlosstheaters feierte.

Es ist schon faszinierend: Das, was der französische Frühaufklärer Mariveaux da 1744 verfasste, besitzt auch heute noch Aktualität. Dabei geht es schlicht um die Frage, welches Geschlecht die Untreue in die Welt gebracht hat. Das Experiment, um das es in „Der Streit“ geht, hat Regisseur Oliver Grabus mit geschickten, kleinen Veränderungen in die Neuzeit transportiert. Statt eines Prinzen und einer aristokratischen Dame, die sich darüber streiten, wer denn nun für die Untreue verantwortlich ist, kommen die beiden Figuren wie ein Moderatoren-Duo daher, das jetzt live ins Dschungelcamp schaltet. Entsprechend überdreht gehen die beiden Darsteller Sabine Einhaus und Benjamin Benedikt zu Werke und haben oft die Lacher auf ihrer Seite – besonders wenn sie sich immer dann diebisch freut, wenn es im Camp wieder einen „Frauen-Punkt“ gibt.

Wie das ans Dschungelcamp erinnernde Experiment funktioniert, ist schnell erklärt: Da sind vier Personen abgeschottet aufgewachsen und treffen nun erstmals aufeinander. Erst Eglé und Azor, zwischen denen die erste junge Liebe entbrennt. Dann die beiden Männer Azor und Mesrou, die sich in Imponiergehabe ergehen, und schließlich auch die beiden Frauen Eglé und Adine, die sich einen veritablen Zickenkrieg liefern und sich gegenseitig die Kerle ausspannen wollen.
All das bringen die Chamäleons so erfrischend heiter auf die Bühne, dass es viel zu lachen und viel zu bewundern gibt. Besonders Carina Wiene (Eglé) sticht hervor. Sie verkörpert die selbstverliebte junge Frau sehr überzeugend, die von ihrem Spiegelbild, das sie im Fluss erkennt, gar nicht mehr lassen kann. Wie sie verzückt ist von ihrem eigenen Anblick – das ist schon große Schauspielkunst, die Carina Wiene da demonstriert. Auch Nelson Thütt, der im Stück Eglés Partner Azor verkörpert, macht seine Sache gut. Mit weiten Augen erkundet er nach seiner Freilassung ein wenig naiv die kleine Welt, in der er sich bewegen darf und frisst später „seine“ Eglé mit diesen großen Augen fast auf.

Dem Publikum bietet sich ein optisches Vergnügen: Da stehen nicht etwa Schauspieler auf der Bühne herum, die nicht wissen, wohin mit ihren Händen. Nein, Oliver Grabus lässt Franziska Böhnlein, Ricardo Neufeld und all die anderen wild umherspringen, immer wieder geht’s über den kleinen Bach, der die Bühne in der Mitte teilt; dann geraten die Figuren in Streit miteinander, raufen sich die Haare, prügeln sich – oder liegen sich verliebt in den Armen. Körpertrainerin Claudia Lichtwardt-Seeliger hat also mit der Truppe ganze Arbeit geleistet und die Akteure über sich hinauswachsen lassen, was Gestik, Mimik und Bühnenaktion betrifft.

„Der Streit“ war zu Recht drei Mal schon ausverkauft. Weitere Aufführungen sind in Planung. (mp)

Quelle: http://www.rhein-zeitung.de/region/neuwied_artikel,-Neuwieder-Theatergruppe-Chamaeleon-ueberzeugt-mit-Der-Streit-_arid,514633.html

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